Ungleichland

Ungleichland

Am Montag strahlte die ARD die Dokumentation „Ungleichland“ aus. Im Anschluss daran folgte die Sendung „Hart aber Fair“, bei der u.a. auch der Protagonist der Doku Christoph Gröner zu Gast war. Der Themenabend befasste sich mit der auseinander driftenden Schere zwischen Deutschlands Superreichen und der Mittel- bzw. Unterschicht. Einige harte Fakten sind uns lange bekannt. Während die Reallöhne der normalen Bürgerinnen und Bürger seit den 90er Jahren nicht mehr gestiegen und teilweise sogar gesunken sind, vermehren einige wenige Superreiche ihr Vermögen um ein Vielfaches. Christoph Gröner, der seine Millionen im Immobiliengeschäft als Selfmade Millionaire gemacht hat, sagt wie es ist:

 

Erste Reaktionen

Die von Christoph Gröner aus der Perspektive eines Superreichen aufgezeigte Ungleichheit ist ein Problem. Die in der Gesellschaft und in der Politik häufig angeführten Lösungsansätze auch. Zwar liegt es zunächst auf der Hand zu sagen, wir nehmen den Reichen etwas weg und wir geben es den Armen, doch hiermit betreiben wir lediglich Symptombehandlung. Wenn wir diese extreme Ungleichheit tatsächlich hinter uns lassen wollen, müssen wir Bürgerinnen und Bürger befähigen sich Wohlstand selbst aufzubauen und ihnen die entsprechenden Rahmenbedingungen liefern.

Das Kapital

Es scheint irgendwie passend, dass vor einigen Tagen der 200. Geburtstag von Karl Marx gewesen wäre. Auch ihn trieb die soziale Frage bereits um. Um zu verstehen, wieso Marx und viele andere so viel Energie freisetzen, um die Ungleichheit zu bekämpfen, muss man ein wenig in der Zeit zurück gehen. Den die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche in der Zeit waren unglaublich. Als Karl Marx im Jahr 1818 geboren wurde gab es in Deutschland noch keinen Kilometer Eisenbahnstrecke. Als er 1883 starb waren es schon knapp 25 000 Kilometer. Überall rauchten Schornsteine und Städte haben ihre Größe während seiner Lebenszeit manchmal verzehnfacht.

Die Geburt der Ungleichheit des Kapitalismus

Diese Umbrüche zu erleben muss verstörend gewesen sein. Ein Agrarland wurde innerhalb weniger Jahrzehnte durch die Industrialisierung zu einem Industriestaat. Das Kapital schien zu regieren. Die Arbeitsverhältnisse waren grausam. Bezahlt wurde nur wenn Arbeit verrichtet wurde. Ein Arbeitstag hatte 14 bis 16 Stunden auch samstags. Es gab keine Krankenversicherung oder irgendeine Art von Schutz für die Arbeiter. Marx war davon überzeugt, dass es zur Rebellion der Arbeiterschaft kommen und das Proletariat die Bourgeoisie stürzen würde

Es kam anders

Der Kapitalismus war gekommen und zu bleiben. Im Laufe der Jahrzehnte wurden Gewerkschaften und Betriebsräte gegründet. Die Rechte der Arbeiter wurden gestärkt, die Arbeitszeit verkürzt, Versicherungen gewährt und Löhne erhöht. Innerhalb der sozialen Marktwirtschaft war es den Deutschen möglich, sich Wohlstand zu erarbeiten. Heute sehen viele diese Möglichkeit wieder in Gefahr. Doch damals waren es nicht du Superreichen, die uns es ermöglicht haben mehr Rechte und Teilhabe am Wohlstand zu haben. Es waren auch nicht in erster Linie die Politiker oder Universalgelehrte wie Karl Marx. Es waren wir selbst. Denn wir haben mehr Macht über das was kommt als wir glauben.

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung

Heute haben wir Angst vor ähnlich krassen Umbrüchen wie damals. Wir stellen uns die Frage, ob die Veränderungen durch KI und Digitalisierung einen ähnlichen Effekt haben könnte wie die Industrialisierung zu Zeiten von Karl Marx. Befürchtungen von Massenarbeitslosigkeit und aussichtsloser Armut stehen im Raum.

Der andere solls richten

Häufig verlassen wir uns auf Politiker und schimpfen auf Superreiche wie Christoph Gröner. Wir sind der Meinung, dass unsere Politikerinnen und Politiker die prekären Beschäftigungsverhältnisse beenden können. Superreiche sind uns suspekt, da sie irgendwie böse scheinen, weil sie so viel haben und uns alles wegnehmen. Solange wir das denken werden wir diese Entwicklung fördern. Wenn der Aufstieg extremer Parteien wie der AFD etwas gezeigt hat, dann dass eine große Gruppe aus der Bevölkerung weiterhin große Macht hat. Denn die AFD an sich ist nicht mächtig, wir machen selbst zu einem mächtigem Werkzeug. Ohne den Aufschrei in der Bevölkerung würde diese Partei nicht existieren. Dummerweise stärken wir die Falschen und schneiden uns hiermit ins eigene Fleisch.

Das große Potential

Sobald wir verstehen, dass wir selbst es in der Macht haben die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen, können wir das riesige Potential einer Veränderung ins Positive drehen. Das heißt nicht, dass wir uns nicht weiter über Ungleichheiten beschweren sollten. Ganz im Gegenteil, wir sollten vehement und immer wenn es möglich ist den Mächtigen des Landes (Politiker und Unternehmer) zeigen, wie sehr wir mehr Teilhabe am Wohlstand haben wollen.

Die Unternehmer

Hierzu benötigen wir unbedingt die Unternehmer. Ohne deren kapitalistischer Denkweise und Arbeitskraft werden wir den Wohlstand nicht aufrecht erhalten können. Dennoch können wir ihre Taten vor allem im Umgang mit den eigenen Angestellten sehr deutlich kritisieren und uns mit allen in einer Demokratie möglichen Mitteln dagegen wehren. Wir sollten jedoch nicht den Menschen hinter dem Unternehmer als grundsätzlich böse betiteln. Sondern mit Wertschätzung für die Opfer, die sie erbringen (Ein Leben für die Arbeit, hohes Risiko, keine Freizeit und keiner mag sie wirklich) mehr Teilhabe fordern, anstatt zu jammern.

Die Politiker

DIe Politik hat aktuell weniger Mittel zur Verfügung als wir denken. Zumindest sind die Handlungsspielräume auch aufgrund des heutigen Lobbyismus doch sehr eingeschränkt. Eine sehr wirksames Werkzeug wird von den Politikerinnen und Politiker jedoch völlig falsch eingesetzt. Die Steuern! Um Rahmenbedingungen zu „steuern“, setzt die Politik falsche Schwerpunkte. Wiederum wird Symptompolitik betrieben, die uns im Mantel der politischen korrekten sozialen Tat z.B. die Mütterrente oder das Baukindergeld eingebracht hat. Superreiche schicken ihre Kinder gerne auf Privatschulen. Immer mehr wohlhabende Menschen schicken ihre Kinder auf Privatschulen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie unsere Schulen z.B. in Berlin heutzutage aussehen. Mit ausbleibenden Investitionen in die Basis (Bildung unserer Kinder) und gleichzeitig unnötigen Ausgaben im Bereich der Symptompolitik, fördern wir die Ungleichheit auch noch.

Wir – Die Basis

Wir haben Veränderungen in der Hand. Als Bevölkerungsgruppe können wir Politiker und Unternehmer dazu bringen uns mehr am Wohlstand teilhaben zu lassen. Das gilt auch für unseren eigenen Umgang mit Finanzen. Anstatt über Börse, ETF, Aktien, Kryptowährungen und Immobilien  zu jammern, können wir sie uns zu Nutze machen. Jeder Euro, den wir als Zinseszins irgendwo einheimsen, ist ein Euro weniger für die Superreichen. Wir sind so dermaßen auf Sicherheiten bedacht, dass wir ein Volk mit einer der niedrigsten Investitionsrate der Welt sind. Dabei sind vor allem Aktien allen Wirtschaftskrisen, Kriegen und sonstigen Katastrophen zu trotz, die mit Abstand ertragreichste Anlageklasse gewesen.

Investieren statt Konsumieren

Es steht außer Frage, dass es schwierig ist als Niedriglöhner Geld zu investieren. Doch kann fast jeder einige Euro im Monat zur Seite legen. Ein Großteil der Bevölkerung kann deutlich mehr zur Seite legen, kauft jedoch lieber einen großen SUV. Übrigens wird bei diesem Thema auch eins der riesigen Potentiale von z.B. Bitcoin sichtbar. In herunter gewirtschafteten Ländern wie z.B. Venezuela haben Menschen mit sehr hoher Inflation zu kämpfen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit sind auch diese Menschen nicht auf die Entscheidungen der Politiker und Unternehmer angewiesen, sondern haben ein Instrument ihr Vermögen aufrecht zu erhalten. Durch Bitcoin oder andere Währungen, die global und dezentral, also nicht von irgendjemandem gesteuert funktionieren.

Superreiche und die Mittelschicht Chinas

In den letzten zwei Jahrzehnten haben eigentlich nur zwei Gruppe von der Weltwirtschaft profitieren können. Einerseits die Superreichen wie Christoph Gröner, andererseits die aufstrebende Mittelschicht Chinas. Beides geschieht auf Kosten der Mittelschicht der westlichen Länder. Letztendlich sind wir darauf angewiesen unser Glück in die eigene Hand zu nehmen, uns für Teilhabe am Wohlstand vehement einsetzen und durch eigene Investitionen in Aktien oder Kryptowährungen selbst ein Stück des Kuchens abzuschneiden. Sogar Karl Marx hat mit Wertpapieren seine Arbeit teilweise finanziert!

 

 

 

 

(Visited 1.018 times, 1 visits today)

4 Gedanken zu „Ungleichland“

  1. Ich habe mir mal erlaubt die Hauptaussage des Filmes in 10 Sek zusammenzuClippen 😀

    https://ytcropper.com/cropped/SH5af1a96019808

    Auffällig im Film ist auch, wie sie am Anfang oder immer wenn es um den „Bösen Unternehmer“ geht, einen Blaufilter drüber gelegt haben um es möglichst kühl wirken zu lassen. Die Fragen, die in der Vogelperspektive gestellt worden sind, verwirren den Zuschauer auch. Da wird Platzmangel, zu wenig Bauland mit zu wenig Investitionen gleich gesetzt. Naja was will man von dem Staatsfernsehen den halten.

    Politiker sind leider auch nur in ihrer Blase rational… Über 50% der Wähler sind alt.

    Btw. Hast du auch die äußerst „gute“ Lösch dich Doku von Funk gesehen?

    Gruß,

    Pascal

  2. Hi, super Beitrag!
    Ich denke dass die meisten unter uns nicht wissen wie sie sich selbst besser stellen können. Weil sie es einfach nicht gelernt haben oder das Wissen dazu nicht vermittelt bekommen haben.
    Das kann man aber nachholen. Z.b. über die Finanzblogs. Was aber wirklich schade ist, ist das politische Versagen. Denn die Rahmenbedingungen für den Vermögensaufbau stimmen in Deutschland und Österreich nicht. In den USA z.b. kann nahezu steuerfrei eine Altersvorsorge in Aktien aufgebaut werden. Die Steuern werden dort erst ab Auszahlungsbeginn fällig. Ein großer Vorteil.
    Grüße Thomas

    1. Hallo Thomas,

      danke für dein Lob! Ich gebe dir recht! Die Altersvorsorge über Aktien sollte steuerfrei bleiben. Es wäre ein leichtes eine meinetwegen auch lange Haltedauer von mindestens 10 Jahren zu installieren. Dieses Jahr schütten deutsche Unternehmen mehr als 50 Mrd Euro an Dividende aus. Wieso werden diese Potentiale nicht genutzt, um soziale Löcher zu stopfen und die Rentenkassen aufzustocken?

      Liebe Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.