Wozu der ganze Stress ums Geld?

Wozu der ganze Stress ums Geld?

Jeder will es haben. Am besten so schnell und unkompliziert wie möglich. Die Rede ist vom Geld oder alles was sich in selbiges umtauschen lässt. Doch wozu der ganze Stress, den wir auf uns nehmen, um möglichst viel Geld zu erhalten?

Von Schnecken und Muscheln

Um Tauschhandel zu ermöglichen kamen Menschen im alten China vor über 3 500 Jahren auf die Idee Kauri-Schnecken als Währung zu akzeptieren. In Ägypten wurden Reis, Tee oder Pfeffer als Währung verwendet. Damals bestimmte die Regierung einen entsprechenden Gegenwert. Auch Muscheln kamen als Tauschmittel immer wieder vor. Doch man stellte schnell fest, dass eine auf Dauer funktionierende Währung gewisse Voraussetzungen benötigte. Neben der entsprechenden Haltbarkeit, musste sie vor allem gut transportabel, knapp und fälschungssicher sein. Im 21. Jahrhundert werden diese Bedingungen übrigens am besten durch Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum erfüllt.

Voraussetzung erfüllt

Wenn eine Währung die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, wollen wir Menschen sie unbedingt besitzen. Dabei ist es weniger wichtig, ob es sich um Euro, Dollar, Gold oder Bitcoin handelt. Vermutlich würden wir so ziemlich jeden Gegenstand besitzen wollen, vorausgesetzt er genießt das Vertrauen der Bevölkerung.

Geld und die Bedürfnisse

Durch die Etablierung eines funktionierenden Währungssystems, eingebettet in stabile wirtschaftliche und politische Verhältnisse, ist man in der Lage, die Grundbedürfnisse einer sehr großen Anzahl von Menschen zu befriedigen. Bürgerinnen und Bürger, die einen Beitrag an der Gemeinschaft in Form von Erwerbstätigkeit leisten, bekommen hierfür einen gewissen Anteil der im Land akzeptierten Währung. Hiermit können sie ihre Grundbedürfnisse (Wohnen, Transport, Lebensmittel, Paarung) finanzieren.

Die Wurzel des Trubels

Neid, Missgunst, Eifersucht, Streit, Ehebrüche, bis hin zu Körperverletzung und Mord. All diese negativen Phänomene können aus finanziellen Motiven entstehen. Wir Menschen sind von Beginn unserer Existenz dahingehend sozialisiert, dass wir den Besitz von Geld mit einer vorausgegangenen Erwerbstätigkeit koppeln. Da unsere Grundbedürfnisse hiermit zusammenhängen, ist Geld eine äußerst sensible Angelegenheit. Die Tatsache, dass Grundbedürfnisse immer teurer werden, insbesondere Wohnen und Transport, rückt private Finanzthemen in ein noch heikleres Licht.

Entkopplung des Geldes von Erwerbstätigkeit

Unter Umständen könnte es der Bevölkerung helfen die Erfüllung von Grundbedürfnissen durch den Besitz einer akzeptierten Währung von Erwerbstätigkeit zu entkoppeln. Hiermit möchte ich nicht auf eine Art bedingungsloses Grundeinkommen hinaus, sondern zunächst von den Möglichkeiten, die sich so in unseren Denkstrukturen entfalten könnten. Wenn die Erwerbstätigkeit nicht mehr oder nur noch teilweise für die Erfüllung unserer Bedürfnisse notwendig wäre, würde unser Geist offener für Alternativen sein.

Zurück zu den Finanzen

Wir alle können selbstbestimmt einen Teil unseres Geldes, das wir für die Deckung unserer Grundbedürfnisse benötigen, durch alternative Angebote erwirtschaften und durch intelligentes Finanzmanagement im Privathaushalt optimieren. Anfang des Jahres hat die Investmentbank Credit Suisse die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die belegen kann, dass Aktien seit dem Jahr 1900 die renditestärkste Anlageform sind.


Umdenken

Da wir vor allem in Deutschland dem Erwerb von Geld durch Arbeit einen so hohen Stellenwert beimessen, verpassen wir die Möglichkeit mit zum Beispiel langfristigen Aktieninvestments der Erwerbstätigkeit teilweise zu entgehen und dennoch unsere Bedürfnisse stillen zu können. Wir erachten Aktien, ETF oder Kryptowährungen als etwas semi-kriminelles, verachtenswertes oder umoralisches, weil es nicht mit unserem indoktrinierten sozialen Kompass übereinstimmt. Dieser behauptet Geld wird alternativlos durch Arbeit erwirtschaftet und hat immer den gleichen Wert. Aktien unterliegen Schwankungen und Gewinne sind auch noch ohne Erwerbstätigkeit möglich. Das passt nicht zusammen.

Politischer Konsens – Was ist sozial?

Es wird sogar als nicht sozial angesehen an Unternehmensgewinnen beteiligt zu sein. Denn wir halten an unserer gewohnten Gedankenstruktur fest, dass Gewinne, die nicht aus Erwerbstätigkeit stammen, mindestens einen faden Beigeschmack haben. Wäre es nicht viel sozialer einem größeren Teil der Bevölkerung die Partizipation am Aktienmarkt zu ermöglichen, um die Abhängigkeit von der Erwerbstätigkeit etwas zu verringern?

Die Schattenseiten der schwarzen Null

Deutschland geht es super, die Kassen sind voll und die Steuern sprudeln. Auch das ist aktuell Konsens. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass die wirtschaftliche Stärke Deutschlands auf der Einführung des Niedriglohnsektors, befristeten Arbeitsverträgen und der Zinspolitik der EZB beruht. In Kombination mit stark angestiegenen Preisen für die Grundbedürfnisse Wohnen und Transport machen sich Sorgen und Unzufriedenheit in der Bevölkerung breit. Es kann zu einer Spaltung der Gesellschaft und politischen Spannungen führen.  Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft durch ihren Beitrag zur Erwerbstätigkeit chronisch erschöpft und starkem Stress ausgesetzt ist.

Die Belohnung

Als Individuum hat man nun Sorgen um die eigene Erwerbstätigkeit, denn sie ist unter Umständen befristet. Man macht sich Gedanken um das notwendige Geld, weil die Preise steigen. Den Stress und die Müdigkeit nimmt man kaum noch war, da er sich als Dauerzustand etabliert hat. Um diesem unangenehmen Szenario zu entkommen benötigen wir eine Belohnung, die höhere Bedürfnisse wie Anerkennung oder Selbstverwirklichung befriedigen soll. Hierfür nutzen wir das rare Geld und kaufen uns temporäres, aber kein nachhaltiges Glück. Der Konsum hilft der Wirtschaft, aber das eigene Burnout wurde nur aufgeschoben.

Wozu also der Stress ums Geld?

Für nachhaltiges Glück benötigen wir weniger Materielles als wir tatsächlich besitzen. Doch um Sicherheit, Zufriedenheit und Gesundheit in der Bevölkerung zu etablieren, benötigt man entsprechende Rahmenbedingungen, die politisch gegeben sein müssten.  Aber auch jede/r Einzelne ist des eigenen Glückes Schmied. Je schneller wir uns von dem Gedanken lösen, dass nur Erwerbstätigkeit unsere Bedürfnisstruktur befriedigt, desto eher werden wir kreative Ideen entwickeln und Alternativen finden. Langfristiges Investieren ist hierfür bestens geeignet.

Wie geht das?

Um die Befriedigung der Grundbedürfnisse teilweise von Erwerbstätigkeit zu entkoppeln, müssen wir früh über Alternativen reden. Finanzielle Bildung könnte Teil des Schulcurriculums sein. Schülerinnen und Schüler benötigen ein Verständnis für Zusammenhänge und Kausalitäten in diesem Bereich. Wie häufig kommen junge Menschen in schlecht bezahlte Berufe und übernehmen sich finanziell und wäre das nicht durch eine frühe Unterstützung vermeidbar? Darüber hinaus müssten Vorurteile im Bereich der Investments abgebaut werden. Eltern sollten Beratungsangebote wahrnehmen können, wie sie am besten für ihre Kinder finanziell vorsorgen oder auch ihre Haushaltskasse führen können. Vermutlich gibt es irgendwo da draußen noch bessere und bereits ausgearbeitete Ideen.

Wozu der Stress ums Geld? Über Beiträge zum Thema freue ich mich sehr!