Börse und Schule

Börse und Schule

Börse und Schule scheinen zwei völlig voneinander getrennte Welten zu sein. Nach meinem Abitur konnte ich Gleichungen lösen, zwei Fremdsprachen sprechen, Gedichte interpretieren, einen Felgaufschwung durchführen und Noten lesen. Wovon ich jedoch keinen blassen Schimmer hatte waren Finanzen. Wir alle verlassen die Schule im Normalfall als absolute Finanzlaien.

Schule und Praxis

Uns ist allen bewusst, dass wir den überwiegenden Anteil des in der Schule angehäuften Wissens niemals in der Praxis anwenden werden. Sehen wir mal von einigen Kompetenzen wie Lesen, Schreiben oder den Umgang mit Grundrechenarten ab, saugen wir unheimlich viel Wissen auf, das wir tatsächlich nie nutzen werden. Mehr noch, lernen Schüler den meisten Stoff nur auswendig und haben ihn wenige Wochen später wieder vergessen

Bildung hinkt hinterher

In der Bildungspolitik steckt kein Geld. Dazu ist das System im Allgemeinen schwerfällig und träge. Es ist unheimlich schwer dieses System an die Bedürfnisse der Welt außerhalb der Schule anzupassen. Wenn dies geschieht, dann in der Regel zu Gunsten der Wirtschaft oder als Mittel zum Zweck, um Wähler zu generieren. Die Schülerinnen und Schüler werden aus meiner Sicht unzureichend auf ihre Zukunft vorbereitet.



Warum Finanzbildung?

In Zeiten der Niedrigrente und Altersarmut ist es unerlässlich die nachfolgende Generation im Umgang mit Geld zu schulen. Hinzu kommt, dass die Lebenserhaltungskosten in der Relation schneller steigen als die Löhne. Zudem schwebt über uns allen der (selbst) auferlegte Geist des ständigen Leistungsdrucks. Männer müssen in der modernen Welt Versorger und fürsorglicher Familienvater in Einem sein. Frauen sollen heutzutage familiär und beruflich alles im Griff haben und am besten Karriere machen. Alle sind ständig erreichbar und jederzeit verfügbar. Der gesellschaftliche Burnout ist quasi vorprogrammiert. Es liegt an uns der nachfolgenden Generation Möglichkeiten zu zeigen, wie man sich NICHT selbst im Hamsterrad bis zum Burnout aufopfert.

Zwei Möglichkeiten Geld zu verdienen

Im Grunde genommen gibt es nur zwei Möglichkeiten Geld zu verdienen. Entweder geht man arbeiten, um entlohnt zu werden oder man lässt sein Geld arbeiten. Während anständige Berufsberatung wenigstens in manchen Schulen etwas betrieben wird, kommt letzteres gar nicht auf den Lehrplan. Wahrscheinlich ist das politische Absicht. Die jeweiligen Länder haben ein höheres Interesse daran, dass ihre Bürger arbeiten gehen anstatt dass das Geld der Bürger arbeitet.

Möglichkeiten in der Schule

Finanzielle Bildung müsste nicht direkt ein Regelfach in der Schule sein Es genügen Angebote, welche die Schülerinnen und Schüler wahrnehmen könnten. Anbieten würde sich das zum Beispiel als Wahlpflichtfach. Möglich wären je nach Schulform auch Arbeitsgemeinschaften oder Neigungsgruppen. Zusätzlich wäre es im Bereich das Möglichen die finanzielle Bildung mit einer anständigen Berufsberatung zu koordinieren. Die Schülerinnen und Schüler sollten über die finanzielle Komponente eines für sie interessanten Berufs bestens informiert sein. Darüber hinaus benötigen sie ein fundiertes Wissen darüber welche Einnahmen und Ausgaben im Regelfall als Erwachsener auftreten. Als letzten Schritt wäre es wichtig, sie im Umgang mit den Überschüssen und Sparbeträgen zu schulen.

Mögliche Inhalte

Wichtig wäre meiner Meinung nach ein strukturiertes Grundwissen über die gängigsten Berufsgruppen und deren finanziellen Möglichkeiten. Gerade die Information welcher Beruf wie viel Geld abwerfen kann wird in der Schule gerne vernachlässigt. Dort herrscht überwiegend noch die naive Vorstellung nur seinen Begabungen und Idealen folgen zu müssen. Dann wird schon alles gut! Diese Grundbildung sollte 1-2 Jahre vor Berufseintritt stattfinden. Im Anschluss an die Berufsorientierung kämen wirtschaftliche Grundkenntnisse auf den Arbeitsplan. Was ist ein Unternehmen? Welche Grundprinzipien stecken hinter der sozialen Marktwirtschaft und dem Kapitalismus? Was ist ein Wertpapier und eine Börse? Etc…

Kapitalanlage

Kapitalanlage in Form von Immobilliennutzung oder Börsenumgang sollte eine separate Unterrichtseinheit darstellen. Hier würde es darum gehen Vorurteile abzubauen und über die grundsätzlichen Möglichkeiten der Geldvermehrung zu sprechen. Eventuell würden die Eltern hier sogar mit lernen.

Probieren geht über studieren

Zu guter Letzt könnte man Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben sich in Simulationen auszuprobieren. Börsenhandel ist über Musterdepots einstudierbar. Möglich wäre zum Beispiel ein landesweiter Wettbewerb an dem Schulen teilnehmen können.

Können wir unsere Kinder Schulen?

Ich bin der Meinung, dass dies möglich ist. Die wirksamste Methode ist hierfür diesen Lebensstil einfach vor zu leben. Unsere Kinder ahmen unsere Verhaltensweise im Normalfall zu einem großen Teil nach, sobald sie selbst erwachsen werden. Warum nicht eine Arbeitsreduzierung auf 70-80% vorleben und Börsenhandel zu Hause thematisieren?

Wo üben?

Um Börsenhandel zu üben bieten sich kostenlose Musterdepots ohne Echtgeldeinsatz an. Möglich ist so etwas bei vielen Anbietern. Die meisten größeren Onlinebanken wie z.B. die OnVista Bank* bieten Musterdepots und auch Junior Depots an. Ich nutze zu Übungszwecken auch sehr gerne die Social Trading Plattform Wikifolio.

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Neben „finanzieller Bildung“ gäbe es im Übrigen weitere Bedarfsfächer, die nicht oder kaum unterrichtet werden. Mir kommt da als erstes zum Beispiel „Gesundes Leben“ in den Sinn.

Was denkt ihr über finanzielle Bildung als Schulfach. Überflüssig oder Überfällig?

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9 Gedanken zu „Börse und Schule“

  1. Hallo,

    interessanter Ansatz. Prinzipiell finde ich, dass Grundlagen wie das Führen eines Haushaltes (inkl. Finanzen) durchaus in der Schule vermittelt werden könnten. Wobei ich nicht sagen kann, ob dies nicht bereits geschieht.

    Darüber hinaus gehende Vertiefungen sehe ich zwiegespalten. Ich meine, ich lerne ja auch nicht, wie ich mein Auto reparieren kann. Wäre aber nicht unpraktisch, da müsste ich der Werkstatt nicht hunderte Euro in den Rachen werfen. Also warum nun unbedingt Kapitalanlage vertiefen? Auch hierzu gibt es schließlich Berater (muss ja nicht der sein, der nur an Abschlussgebühren verdient), an die man sich wenden kann. Man lernt in der Schule auch wenig Juristisches. Wäre auch nett. Also wo anfangen, wo aufhören. Noch dazu, wer soll das unterrichten? Die wenigsten professionellen Analysten/Investmentbanker werden ihre Zeit als Lehrer verbringen wollen.

    Also zusammengefasst: Wie führe ich einen Haushalt, ja. Wie investiere ich, nein.

    Viele Grüße,
    Mathias

  2. „Nach meinem Abitur konnte ich Gleichungen lösen, zwei Fremdsprachen sprechen, Gedichte interpretieren, einen Felgaufschwung durchführen und Noten lesen. Wovon ich jedoch keinen blassen Schimmer hatte waren Finanzen.“

    Erinnert schwer an den Tweet der Schülerin Naina, die vor einigen Jahren behauptet hat, Gedichtsinterpretationen in vier Sprachen anfertigen zu können, aber keine Ahnung von Steuern, Miete und Versicherungen hat.

    „Diese Grundbildung sollte 1-2 Jahre vor Berufseintritt stattfinden.“

    Gute Idee. Da Dein Abitur aber üblicherweise nicht zum Berufseintritt führt, verstehe ich Deinen vorherigen Vorwurf nicht. Du müsstest vielmehr Deine Universität beschuldigen, die Dir nur Anglistik und Geografie vermittelt hat, aber nichts über Finanzen.

    Neben dem (kleinen) Anteil der Studierten gibt es übrigens das duale System (aka Ausbildung), in dem Schüler durchaus mit den von Dir geforderten Themen beschult werden. Hast Du Dich mal damit auseinander gesetzt? Einfach mal bei der KMK vorbeischauen und ein wenig stöbern:
    https://www.kmk.org/themen/berufliche-schulen/duale-berufsausbildung/downloadbereich-rahmenlehrplaene.html
    Da findet man viel mehr über das Schulwesen als man anekdotisch in seinem persönlichen Lebenslauf erfahren hat. Ich habe spaßeshalber mal auf den Beruf „Bäcker“ geklickt und finde dort die Passage:
    „Für den Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde wesentlicher Lehrstoff der Berufsschule wird auf der Grundlage der “Elemente für den Unterricht der Berufsschule im Bereich Wirtschafts- und Sozialkunde gewerblich-technischer Ausbildungsberufe” (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 18. 05 1984) vermittelt.“

    Berufsschüler werden augenscheinlich in Wirtschaftskunde geprüft. Und wenn man dann mal nach dem genannten Dokument (http://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2008/2008_05_07-Wirtschafts-Sozialkundeunt-Berufsschule.pdf) sucht, findet man auch die Inhalte wie:
    „Versicherungsprinzipien, gesetzliche und private Vorsorge, Sozialversicherungen: Sozialgerichtsbarkeit“
    „Entwicklung und Probleme der sozialen Sicherung
    individuelle Vermögensbildung, Steuern und Transferleistungen des Staates“
    „Aufgaben, Aufbau und Ziele von Betrieben und Unternehmen,
    wirtschaftliche Verflechtungen Rechtsformen am Beispiel einer Personen- und Kapitalgesellschaft“
    „Bedürfnisse, Bedarf, Kaufkraft
    Haushaltsplan und Überschuldung
    Rechtsgeschäfte, Kaufverträge, Kredite
    Verbraucherschutz und -beratung“

    Dieses duale System durchlaufen übrigens rund 50% der Bevölkerung. Daher müssten sie sich mit den Grundzügen auskennen. Wenn man sich natürlich nicht dafür interessiert, ist es dann aber das gleiche wie mit Mathe: War irgendwie uninteressant, man hat’s irgendwie bestanden, dann aber gleich vergessen – ich spreche aus Erfahrung: Frag mal jemanden auf der Straße nach dem Dreisatz?!

    Tut mir leid, aber ich finde diese allgemeine Schuldzuweisung an die „doofe Schule“, die ja nur Blödsinn vermittelt und die wichtigsten Dinge des Lebens (vermutlich bewusst – Verschwörungstheorie?!) ausspart, etwas kurz gegriffen. Die Schule sollte meines Erachtens nach vor allem dazu befähigen, selbst etwas lernen zu können. In einer Gesellschaft, die sich immer schneller wandelt, ist Faktenwissen mit einem Verfallsdatum verknüpft und Konzeptwissen viel wichtiger. Die Möglichkeiten, sich nach dem o.g. Grundwissen mit verschiedenen Themen der Vermögensbildung zu beschäftigen, sind vielfältig. Ein einziges Buch (meinetwegen von der Verbraucherzentrale oder Stiftung Warentest um halbwegs seriös zu sein) kann hier schon ausreichen. Nach meinem Studium hab ich so eins gelesen und damit schon die Grundzüge gekannt. Das ist alles kein Hexenwerk.

    Muss tatsächlich alles unterrichtet werden, damit man durchs Leben kommt? Richtige Ernährung? Richtige Partnerwahl? Richtige Geldanlage? Welche Fächer sollten demnach nicht mehr unterrichtet werden? Oder alles noch on-top?

    Liebe Grüße
    Dummerchen

    1. Wie du bereits gesagt hast, sollte Schule dazu befähigen, sich selbst Wissen anzueignen. Oder anders ausgedrückt, Informationen selbstständig zu verarbeiten und auszuwerten. Genau das passiert in deutschen Schulen jedoch nicht! Und zwar in fast gar keinem Bereich! 90% des Wissens, welches wir Schülerinnen und Schülern beibringen, ist auswendig gelernt, zu Papier gebracht und zwei Wochen später wieder vergessen. Was ist den Lehrplänen und Bildungsstandards als Basics niedergeschrieben ist, kann kein Mensch wissen. Das Schulsystem so wie es sich heute zeigt ist rückständig mit Strukturen von vorgestern und finanziellen Mitteln, die jedes Unternehmen in den Bankrott treiben würde.

      Die Lehrpläne und Bildungsstandars, sowie festgefahrene Strukturen gehen völlig an den Anforderungen für die Wirtschaft vorbei. Zum Beispiel sind Berufsgruppen im quartären Wirtschaftssektor die am stärksten steigende Berufsgruppe. Hierbei handelt es sich um stark spezialisierte und häufig sehr anspruchsvolle Informationsverarbeitung im Bereich der Dienstleistungen. Hierfür bekommen Schülerinnen und Schüler weder die entsprechenden Inhalte, noch die entsprechenden Kompetenzen vermittelt.

      Ein Blick in die Schulen genügt. Lehrer sind überlastet, Kinder überfordert. Das ganze System hat unheimlich viel Mehrarbeit für Lehrkräfte geschaffen und Leistungsdruck für Schüler. Durch Kosteneinsparungen, G8, zusammengelegte Real- und Hauptschulen etc. kam weitere Unruhe rein. Die Folge ist, dass Lehrkräfte immer mehr belastet sind, die Unterrichtsqualität sinkt und Schülerinnen und Schüler immer weniger können.

      Einen Teilbereich davon habe ich in meinem Artikel kritisiert und zwar den, der zu meinem Blog passt. In der Schule lernt man nicht wie man wirtschaftet. In Zeiten von Privatisierungen, Niedrigrente, Zuzahlungen für Medizin und Gesundheit ist es jedoch unerlässlich, dass unsere Kinder wirtschaften lernen.

      Im Übrigen verfehlen auch höhere Bildungsabschlüsse ihre Ziele. Bachelor- und Masterabschlüsse haben mit Studieren im eigentlichen Sinne nicht viel zu tun.

      1. @Bowigod: Wie kommen Sie auf die 90 %? Zudem müssen bestimmte Dinge auswendig gelernt werden, damit man sie schnell und sicher anwenden kann. Wer Englisch sprechen will, kann doch nicht ständig in den Konjugationstabellen nachschlagen. Die unregelmäßigen Verben sollten sitzen.

        Ich habe auch Abitur an einer deutschen Schule gemacht. Ich kann nicht bestätigen, dass es da ständig ums Auswendiglernen ging. In Mathematik und Physik geht das auch nicht; da muss man die Dinge verstehen. Mein Eindruck war, dass ich gar nicht mal so schlechte Lehrer hatte, insbesondere in der Oberstufe nicht. Meine Kunstlehrer waren auch privat an Kunst interessiert. Die Kunstlehrerin, die ich hatte, malte auch privat. Der Kunstlehrer, den ich hatte, begeisterte sich fürs Fotografieren und hatte seine eigene Dunkelkammer. Als in Schwerin eine Picasso-Austellung eröffnet wurde, meldete er sich krank, um dort hin zu fahren. Das flog auf, weil er tags drauf auf der Titelseite der Regionalzeitung zu sehen war. Das ist zwar ein Dienstvergehen, aber zeigt doch: Der Mann stand zu seiner Disziplin.

        Eine Theorie, die ich habe: Möglicherweise lag es daran, dass ich Lehrer hatte, die in der DDR ausgebildet wurden. Heute scheint das Lehrgangsstudium der letzte Rettungsanker für Leute ohne Faible für irgendwas zu sein.

        1. Zunächst mal danke für die ausführliche Beteiligung an der Diskussion!

          Ich bin sehr nah dran am Bildungssystem. Meine hauptberufliche Tätigkeit spielt sich dort ab. Die Schulen an sich sind letztendlich Leidtragende der Politik, von Einsparungen, veralteten Strukturen und unheimlich vielen Veränderungen.

          Hinzu spielt unsere auf Konsum ausgerichtete Gesellschaft eine nicht unbedeutende Rolle. Informationen werden vorbereitet und verpackt an Digital Natives herangetragen. Das ist alles andere als förderlich für die Entwicklung von selbstständigen Denken.

          Schülerinnen und Schüler und zwar insbesondere der Lehrinstitute unterhalb des Gymnasiums verlernen das selbstständige Denken. Mehr noch, es gibt überhaupt nicht mehr die Notwendigkeit für Schüler diese Fähigkeiten zu entwickeln. In einigen Bundesländern wurde zum Beispiel das Sitzen bleiben abgeschafft. Abschluss für alle! In vielen Grundschulen dürfen Diktate nicht benotet werden und man schreibt nach Gehör. Dann wundert man sich, dass 10. Klässler der deutschen Sprache in Schriftform kaum fähig sind. Dann werden Fördermaßnahmen entwickelt, Arbeitsgruppen erstellt, bürokratisiert und dokumentiert. Ein riesen Mehraufwand für Lehrer und alles hält sie dsvon ab die eigentliche Arbeit zu tun. Unterrichten!

          Können Schüler etwas dafür? Nein! Lehrer und Eltern? Auch nicht! Die Schule! Nein, auch dort wird nur umgesetzt was das System ermöglicht.

          Also richtet sich die Kritik an diejenigen, die die Möglichkeit hätten Strukturen nachhaltig zu ändern! Die Politik!

          Vielleicht werden nicht 90% des Stoffes nur reproduziert, jedoch ist das in den Bildungsstandars vorgegebnene Basiswissen für fast alle oder sogar alle Schüler nicht zu erreichen!

          Hier habe ich noch einen Auszug von Daniel Precht, dessen Meinung meine recht gut spiegelt.
          https://m.youtube.com/watch?v=QAOaUiOsw6U

          In den Grundzügen eurer Kritik kann ich eure Meinung nachvollziehen. Schüler sollten möglochst selbstständiges Arbeiten lernen. Die Fähigkeit besitzen Wissen auf neue Sachverhalte zu transferieren und anzuwenden. Jedoch benötigen sie dringend die nötigen Anreize und das entsprechende Umfeld.

        2. @Couponschneider: Dass Deine positiven Schuleindrücke der guten Lehrerausbildung in der DDR geschuldet sind, kann sein, muss aber nicht. Meine Frau hat ihre ersten 8(?)Schuljahre noch in der DDR erlebt und sie ist ein helles Köpfchen. Mag sein, dass dies eine Folge der dortigen Lehrer war. Ich selbst (Wessi) habe das allerdings auch an meiner Schule so erlebt und würde daher nicht sagen, dass es die „guten“ Lehrer nur im Osten gab.
          @Bowlgod: Ich selbst habe auch wenig auswendig lernen müssen, bzw. die Fächer, in denen das notwendig war, eher gemieden. Vokabellernen habe ich eher als notwendiges Übel angesehen (meine Englisch-Abinote war trotzdem ne 1-). Der komplette Bereich Mathe/Physik/Naturwissenschaften ist doch geradezu ein Paradebeispiel, dass man Regeln lernen und anschließend anwenden können muss. Natürlich muss man auswendig lernen, dass 1+1 = 2 ist, dass das Ohmsche Gesetz U = R*I lautet und dass in Summen nur die Dummen kürzen. Aber nur wenn man diese Basics auswendig gelernt hat, ist man doch erst in der Lage, die Rakete zu bauen. Ganz ohne Auswendiglernen kann es kaum gehen – danach muss es natürlich einen Schritt weiter gehen. Taxonomiestufe 3,4 usw. – Dir als Lehrer brauche ich das ja vermutlich nicht erklären.

          Liebe Grüße
          Dummerchen

      2. Das sind ja mal interessante Randaspekte. Du bist also selbst Lehrer? Oder wie darf ich die Aussage verstehen „welches wir Schülerinnen und Schülern beibringen“? Dann verstehe ich umso weniger, dass Du den Schülern noch mehr Stoff aufbürden willst, den sie (Deiner Meinung nach) nur auswendig lernen sollen. Was hilft es, wenn sie auswändig aufsagen können, dass man weniger ausgeben als verdienen sollte und den Rest möglichst für harte Zeiten (oder das Alter) zurücklegen sollte. Der Frust, der aus Deinen Zeilen klingt, passt doch überhaupt nicht zu einer Forderung nach mehr Finanzbildung (und einer weiteren Überlastung der Schüler).

        BTW: Auch ich habe relativ viel mit dem Bildungswesen am Hut und weiß, dass es eine Aufgabe der Schule ist, Handlungskompetenz zu fördern und damit den Schülern das Handwerkszeug mitgeben, sich eigenständig Wissen anzueignen. Wenn das bei Euch nicht praktiziert wird, liegt es entweder daran, dass die Schüler dazu einfach nicht intellektuell in der Lage sind (und der Bedarf dazu umso größer wäre) oder aber die Lehrer dem nicht nachkommen wollen, weil Frontalunterricht der vermeintlich einfachere Weg ist.

        Du antwortest übrigens überhaupt nicht auf meinen Hinweis, dass „Wirtschaft“ sehr wohl Teil des Lehrplans ist, und zwar für genau diejenigen Schüler, die davon am meisten profitieren: Berufsschüler. Das ist doch genau der richtige Zeitpunkt in der Ausbildung: Kurz bevor man ins Berufsleben einsteigt.

        Liebe Grüße
        Dummerchen

        1. Dass Aneignung von Kompetenzen entweder an wenig intelligenten Schülern oder faulen Lehrern liegt, ist nur die halbe Wahrheit. Beide löffeln Die Suppe des Systems aus. Unterricht läuft an vielen Schulen unter folgenden Voraussetzungen ab:
          Du hast 30 Schülerinnen und Schüler. An Gesamt- und Realschulen hast du sehr gute Schüler, die theoretisch auf das Gymnasium gehen könnten und sehr schlechte Schüler, die früher auf die Förderschule gingen. Ein Teil der Schüler sind Flüchtlinge. Einige von ihnen können Deutsch, einige Englisch, manche beides oder keins von beiden. Es gibt auch immer welche, die von rechts nach links schreiben. Du hast verhaltensauffällige Schüler mit Diagnosen und ohne Diagnosen. Sehr bald kommen in manchen Bundesländern körperlich und/oder geistig behinderte Schüler hinzu. Dazu hast du an manchen Schulen und manchen Bundesländern die Pflicht zur nachgewiesenen inneren Differenzierung und unterrichtest quasi zwei Kurse innerhalb einer Klasse. Du hast 45 Minuten Zeit um all den Schülern gerecht zu werden. Das ist eine unmögliche Aufgabe. Hinzu kommen Konferenzen, Team-Besprechungen zu Schülern, Differenzierung, Vergleichsarbeiten, Elterngespräche und Bürokratie. Zu all diesen Bereichen mit je eigener Konferenz. Von Arbeitsgruppen und Projekten fang ich gar nicht erst an.

          Auf deinen Hinweise habe ich bisher nicht geantwortet weil die Berufsschule die einzige Schulform ist, die ich noch nicht von innen gesehen habe. Also weiß ich nicht in wie weit ich mir da ein Urteil anmaßen kann.

          Mit meinem Bericht und meinem Blog möchte ich persönlich hauptsächlich ein anderes Mindset bei den Leuten erzeugen. Sich eben nicht auf den Staat oder den Arbeitgeber zu verlassen, sondern ebenso für sich selbst zu sorgen. Im finanziellen Sinne eben über einen vorurteilsfreien Umgang mit den Möglichkeiten und Vorzügen der Börse.

          Fragen zu meinem Privatleben kannst du mir gerne per E-Mail senden.

    2. Ich schließe mich Dummerchen an. Diese Schuldzuweisungen an die Schule gehen mir seit langem gegen Strich. Was soll die Schule denn sonst noch alles machen? Letztendlich kann man von einem Jugendlichen auch verlangen, selbständig etwas zu erarbeiten. Genau das ist die Aufgabe der Schule: Selbständiges Denken.

      Andere essentielle Dinge bekommen die Jugendliche doch auf die Reihe, ganz ohne Schule. Die lernen poppen, saufen und rauchen. Der Führerschein wird auch gemacht. Viele Jugendliche kochen und backen auch, und das lernen sie nicht in der Schule.

      Ich hatte auch keinen Finanzunterricht, aber den brauchte es bei mir auch gar nicht. Mathematik reicht doch, finde ich. In Kombination mit der Notwendigkeit, ein Budget einzuhalten, nutzt man die mathematischen Grundlagen. Und mit ein wenig Interesse für Tabellenkalkulation, kommt der Rest.

      Bevor ich mein Studium begonnen hatte, hatte ich einen Finanzplan in OpenOffice erstellt. Ich hatte ein paar tausend Euro Guthaben, ich hatte laufende Einnahmen (Kindergeld, Halbwaisenrente) und wusste eigentlich immer, was finanziell drin war und was nicht.

      Was ich an der Schule hatte war Wirtschaftsunterricht. Da wurden aber keine Finanzpläne oder dergleichen durchgeackert. Die Lehrerin war zugleich unsere Deutschlehrerin. Die war auch in der CDU und hat sich natürlich gefreut, dass Ludwig Erhardt so gut im Lehrbuch wegkam. Das Thema Aktien wurde nur kurz tangiert und man machte den Bock zum Gärtner: Ein Sparkassenheini kam in die Schule und es wurde „Planspiel Börse“ veranstaltet, wo dann vermittelt wird, dass man kurzfristig zocken soll.

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