Börse und Schule

Börse und Schule

Börse und Schule scheinen zwei völlig voneinander getrennte Welten zu sein. Nach meinem Abitur konnte ich Gleichungen lösen, zwei Fremdsprachen sprechen, Gedichte interpretieren, einen Felgaufschwung durchführen und Noten lesen. Wovon ich jedoch keinen blassen Schimmer hatte waren Finanzen. Wir alle verlassen die Schule im Normalfall als absolute Finanzlaien.

Schule und Praxis

Uns ist allen bewusst, dass wir den überwiegenden Anteil des in der Schule angehäuften Wissens niemals in der Praxis anwenden werden. Sehen wir mal von einigen Kompetenzen wie Lesen, Schreiben oder den Umgang mit Grundrechenarten ab, saugen wir unheimlich viel Wissen auf, das wir tatsächlich nie nutzen werden. Mehr noch, lernen Schüler den meisten Stoff nur auswendig und haben ihn wenige Wochen später wieder vergessen

Bildung hinkt hinterher

In der Bildungspolitik steckt kein Geld. Dazu ist das System im Allgemeinen schwerfällig und träge. Es ist unheimlich schwer dieses System an die Bedürfnisse der Welt außerhalb der Schule anzupassen. Wenn dies geschieht, dann in der Regel zu Gunsten der Wirtschaft oder als Mittel zum Zweck, um Wähler zu generieren. Die Schülerinnen und Schüler werden aus meiner Sicht unzureichend auf ihre Zukunft vorbereitet.



Warum Finanzbildung?

In Zeiten der Niedrigrente und Altersarmut ist es unerlässlich die nachfolgende Generation im Umgang mit Geld zu schulen. Hinzu kommt, dass die Lebenserhaltungskosten in der Relation schneller steigen als die Löhne. Zudem schwebt über uns allen der (selbst) auferlegte Geist des ständigen Leistungsdrucks. Männer müssen in der modernen Welt Versorger und fürsorglicher Familienvater in Einem sein. Frauen sollen heutzutage familiär und beruflich alles im Griff haben und am besten Karriere machen. Alle sind ständig erreichbar und jederzeit verfügbar. Der gesellschaftliche Burnout ist quasi vorprogrammiert. Es liegt an uns der nachfolgenden Generation Möglichkeiten zu zeigen, wie man sich NICHT selbst im Hamsterrad bis zum Burnout aufopfert.

Zwei Möglichkeiten Geld zu verdienen

Im Grunde genommen gibt es nur zwei Möglichkeiten Geld zu verdienen. Entweder geht man arbeiten, um entlohnt zu werden oder man lässt sein Geld arbeiten. Während anständige Berufsberatung wenigstens in manchen Schulen etwas betrieben wird, kommt letzteres gar nicht auf den Lehrplan. Wahrscheinlich ist das politische Absicht. Die jeweiligen Länder haben ein höheres Interesse daran, dass ihre Bürger arbeiten gehen anstatt dass das Geld der Bürger arbeitet.

Möglichkeiten in der Schule

Finanzielle Bildung müsste nicht direkt ein Regelfach in der Schule sein Es genügen Angebote, welche die Schülerinnen und Schüler wahrnehmen könnten. Anbieten würde sich das zum Beispiel als Wahlpflichtfach. Möglich wären je nach Schulform auch Arbeitsgemeinschaften oder Neigungsgruppen. Zusätzlich wäre es im Bereich das Möglichen die finanzielle Bildung mit einer anständigen Berufsberatung zu koordinieren. Die Schülerinnen und Schüler sollten über die finanzielle Komponente eines für sie interessanten Berufs bestens informiert sein. Darüber hinaus benötigen sie ein fundiertes Wissen darüber welche Einnahmen und Ausgaben im Regelfall als Erwachsener auftreten. Als letzten Schritt wäre es wichtig, sie im Umgang mit den Überschüssen und Sparbeträgen zu schulen.

Mögliche Inhalte

Wichtig wäre meiner Meinung nach ein strukturiertes Grundwissen über die gängigsten Berufsgruppen und deren finanziellen Möglichkeiten. Gerade die Information welcher Beruf wie viel Geld abwerfen kann wird in der Schule gerne vernachlässigt. Dort herrscht überwiegend noch die naive Vorstellung nur seinen Begabungen und Idealen folgen zu müssen. Dann wird schon alles gut! Diese Grundbildung sollte 1-2 Jahre vor Berufseintritt stattfinden. Im Anschluss an die Berufsorientierung kämen wirtschaftliche Grundkenntnisse auf den Arbeitsplan. Was ist ein Unternehmen? Welche Grundprinzipien stecken hinter der sozialen Marktwirtschaft und dem Kapitalismus? Was ist ein Wertpapier und eine Börse? Etc…

Kapitalanlage

Kapitalanlage in Form von Immobilliennutzung oder Börsenumgang sollte eine separate Unterrichtseinheit darstellen. Hier würde es darum gehen Vorurteile abzubauen und über die grundsätzlichen Möglichkeiten der Geldvermehrung zu sprechen. Eventuell würden die Eltern hier sogar mit lernen.

Probieren geht über studieren

Zu guter Letzt könnte man Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben sich in Simulationen auszuprobieren. Börsenhandel ist über Musterdepots einstudierbar. Möglich wäre zum Beispiel ein landesweiter Wettbewerb an dem Schulen teilnehmen können.

Können wir unsere Kinder Schulen?

Ich bin der Meinung, dass dies möglich ist. Die wirksamste Methode ist hierfür diesen Lebensstil einfach vor zu leben. Unsere Kinder ahmen unsere Verhaltensweise im Normalfall zu einem großen Teil nach, sobald sie selbst erwachsen werden. Warum nicht eine Arbeitsreduzierung auf 70-80% vorleben und Börsenhandel zu Hause thematisieren?

Wo üben?

Um Börsenhandel zu üben bieten sich kostenlose Musterdepots ohne Echtgeldeinsatz an. Möglich ist so etwas bei vielen Anbietern. Die meisten größeren Onlinebanken wie z.B. die OnVista Bank* bieten Musterdepots und auch Junior Depots an. Ich nutze zu Übungszwecken auch sehr gerne die Social Trading Plattform Wikifolio.

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Neben „finanzieller Bildung“ gäbe es im Übrigen weitere Bedarfsfächer, die nicht oder kaum unterrichtet werden. Mir kommt da als erstes zum Beispiel „Gesundes Leben“ in den Sinn.

Was denkt ihr über finanzielle Bildung als Schulfach. Überflüssig oder Überfällig?