Lass die Finger von Aktien

Lass die Finger von Aktien

Lass die Finger von Aktien. Die Börse ist ein Glücksspiel. Du kannst auch gleich dein Geld aus dem Fenster werfen. Solche oder so ähnliche Aussagen höre ich in 9 von 10 Fällen zu Beginn eines Gespräches mit „Börsenlaien“ wenn ich von meinen eigenen Investitionen erzähle. Gepaart werden diese Aussagen meist mit selbstverständlichem Argwohn, Misstrauen bis hin zu Mitleid und Unverständnis. In vielen Fällen sind die Vorurteile so manifestiert, dass es einfacher erscheinen würde, einen überzeugten Christen von seinem Glauben abzubringen.

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Woher kommt diese Überzeugung?

Es gab in der Geschichte der Menschheit immer wieder Konzepte oder Werte, welche beinahe blind und gefolgsam angenommen anstatt hinterfragt wurden. Dazu gehören weltumspannende Themen wie: Die Erde ist flach, es gibt einen Gott, Frauen sollen nicht arbeiten, Monarchie ist super etc. Aber auch alltägliche Beispiele wie: Kinder schlagen ist nicht schlimm, beim Essen soll man nichts trinken, wer morgens spät aufsteht ist faul usw. Dieser kollektiv überzeugte Glauben von der Richtigkeit einer Sache beruht auf sozialen Konventionen und Indoktrination. Sie werden hingenommen und nicht hinterfragt. Was uns Menschen dabei leider häufig nicht klar erscheint ist, dass wir uns durch unsere selbst auferlegte Beschränktheit dann im Wege stehen. Eine dieser Überzeugungen lautet: „Lass die Finger von der Börse“

Bildung schützt vor eigenen Vorurteilen

Die meisten Menschen, die Börsianer pauschal als Bekloppte verurteilen haben nicht das nötige Basiswissen, um sich überhaupt eine Meinung bilden zu können. Es gibt es mittlerweile eine riesige Produktpalette. Man sollte zumindest von den grundlegenden Investitionsmöglichkeiten Kenntnis haben. Wenn ein Kritiker in einem Gespräch zum ersten Mal Begriffe wie Diversifikation, ETF, Indizes oder Asset Allocation hört, können Sie das Gespräch ebenso gut einstellen. Denn ihr Gesprächspartner hat nicht das nötige Wissen, um Ihrer Argumente widerlegen zu können.

Börse und Risiko

Das Hauptproblem vieler Börsenlaien ist die Tatsache, dass sie Investitionen augenblicklich als zu risikoreich ansehen. Sie sind der Meinung an der Börse all ihr wohl verdientes Geld verlieren zu können. Das ist erstens falsch und zweitens zeigt es auf, dass sie den Begriff Risiko nicht verstehen. Denn Risiko hängt unmittelbar mit Rendite zusammen. Möchte ich eine höhere Rendite als auf dem Sparbuch haben, dann setze ich mein Geld dem Risiko von Schwankungen aus, nicht dem Risiko pleite zu gehen. Langfristig erreicht ein Depot mit guter Asset Allocation immer eine positive Rendite und genau das wollen viele Börsenlaien einfach nicht verstehen.

Und täglich grüßt die Telekom

Irgendwo in Deutschland wird in dem Moment wenn Sie diese Zeilen lesen wahrscheinlich ein Gespräch über das Telekomdebakel an der Börse stattfinden. Stellvertretend für viele Aktienmissverständnisse steht die Telekom als mahnendes Beispiel vieler Börsenkritiker an erster Stelle ihrer Argmuentationskette. Mal salopp ausgedrückt: Wenn Privatanleger finanziell so ungebildet sind, dass sie ihre gesamten zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel in Anteile eines einzigen Unternehmens stecken, dann sind sie an dem Debakel selbst schuld. Sie sollten jedoch durch ihre negativen Erfahrungen die Börse nicht als Teufelszeug verurteilen und dies als Fakt darstellen. Das wäre genauso klug als würde jemand in einen 68er Ford Mustang steigen, konsequent im ersten Gang auf der Autobahn fahren und im Anschluss behaupten das Auto sei doof.

Warum also Börse?

Börseninvestitionen bestehen nicht nur aus Aktienkäufen und schon gar nicht aus dem Kauf einer einzelner Aktie. Mit einem langfristigen Ansatz stehen die Fakten auf der Seite der Börsianer. Hören Sie sich also die Börsenkritiker in Ruhe an und lehnen Sie sich mit der Gewissheit zurück, eine zwar schwankende, aber mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit höhere Rendite zu bekommen als ihr beratungsresistenter Gesprächspartner. Achten Sie immer auf die verschiedenen Risiken je nach Assetklasse und informieren Sie sich über die Basics an der Börse. Erfolgreich investieren ist nicht schwer. Alles was Sie hierfür benötigen ist etwas Wissen, gesunden Menschenverstand und Geduld.

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5 Gedanken zu „Lass die Finger von Aktien“

  1. Am einfachsten ist es seine Börsenleidenschaft einfach für sich zu behalten. Die Gegner überzeugt man doch eh so gut wie nie, also kann man sich die Mühe auch gleich sparen.
    Hat auch den Vorteil, dass man nicht als Idiot oder Angeber abgestempelt und in irgendwelche unschönen Schubladen einsortiert wird (sei es offen und direkt oder heimlich und verdeckt bis in alle Ewigkeit).

    Missionare sind heutzutage selten gerne gesehen – egal ob es um Religion, Betriebssysteme, Automarken, Apple/Android oder Geldanlage geht. Und genau so könnte man als „Prediger für Börsenanlage“ bei anderen ankommen.

    Auch nicht zu vergessen, welche Folgen es haben kann, wenn man tatsächlich jemand überzeugt und der dann einen Fehlgriff hin legt. Es besteht die Gefahr, dass man dann als Verursacher des Schadens gesehen wird – und bei Geld hört für viele doch tatsächlich die Freundschaft auf.

    Aber Austausch unter Gleichgesinnten kann natürlich durchaus erhellend und informativ sein…

    1. Hallo Martin, Hallo Bowlgod

      Zunächst einmal super Artikel. Leider kommen die Meinungen und Ansichten über das Geld anlegen an der Börse meistens vom Elternhaus, da es in der Schule kein Fach gibt in dem lernt wie man sein Geld intelligent investiert.

      Da hilft nur Selbstinitiative. Die meisten Menschen denken aber nicht über Ihre Geldanlage nach. Sondern akzeptieren und folgen Meinungen und Ansichten die Sie, meistens innerhalb der Familie oder des Freundeskreis gehört haben.

      Daher finde ich es umso wichtiger, dass solche Artikel geschrieben und verbreitet werden. Das man nicht die Meinung von allen ändern kann ist vollkommen klar. Aber selbst wenn man nur eine Person überzeugt, das die Börse nicht schlecht ist und zum lernen und anlegen motivieren kann, dann ist das schon ein Erfolg.

      1. Hallo Manuel,

        vielen Dank für deinen tollen Beitrag! Ich teile deine Meinung und deine Argumentation zu 100%!

        Du darfst auch gerne den Artikel weiter verbreiten!

        Liebe Grüße

  2. Also erstmal danke für Ihren ausführlichen Kommentar. Sie haben recht, dass sich überzeugte Börsenkritiker nicht überzeugen lassen werden. Meine Intention ist auch nicht zu missionieren. Ich hoffe das kommt nicht so rüber. Ich möchte viel eher aufklären. Ich denke Börse hat in der Gesellschaft einen zu schlechten Stellenwert. Man kann tatsächlich wunderbar von ihr profitieren gerade in der nahezu alternativlosen Zeit. Ob man es dann tatsächlich wagen möchte, darf jeder selbst entscheiden.

    Es ist noch in anderer Aspekt, der mir vor allem in Zeiten der Niedrigrente und der Altersarmut wichtig ist. Gerade junge Menschen werden davon betroffen sein. Sie werden jedoch nicht z.B. in Schulen finanziell gebildet. Daher wäre es wichtig Ihnen zu sagen, dass gerade über einige Jahrzehnte hinweg Börse z.B. über global diversifizierte ETFs sehr lukrativ sein kann.

  3. Hallo,
    vielen Dank für diesen ausführlichen und guten Kommentar. Es ist wirklich bedauerlich, dass in den Schulen kaum Wissen zu finanziellen Inhalten vermittelt wird. Was die Menschen dann nicht verstehen, verspotten sie oder greifen es an.
    Daher hört man dann oft negative Kommentare, wenn man von der Börse erzählt.
    Was machen viele erfolgreiche Menschen also? Sie behalten ihr Wissen leider für sich.
    Gruß

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