Die 5 größten Börsenillusionen

1) Rendite in der Vergangenheit bedeutet Rendite in der Zukunft

Es geschieht immer wieder. Steigen die Aktienkurse über einige Jahre hinweg, werden immer mehr Teilnehmer am Markt investieren. Im Jahre 1995 lag die Rendite des Dax bei etwa 28%. Im folgenden Jahr stieg der Index sogar um 47%. Die nächsten beiden Jahre zeigt die Statistik eine Performance von rund 17%, bzw 39% auf. Innerhalb dieser vier Jahre investierten immer mehr Menschen ihr Geld an der Börse.

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Wie konnte das geschehen?

Menschen wollen an positiven Entwicklungen teilhaben. Je mehr Leute von einer Sache profitieren, desto mehr Leute wollen auch ein Stück des großen Kuchen für sich beanspruchen. Darüber hinaus lieferten die weit überdurchschnittlichen Renditen im Zeitraum zwischen 1995-1999 sehr gute Argumente für jegliche Art von Finanzberatern. So konnte sie ihre überteuerten Produkte an viele ahnungslose Kunden verkaufen. Diese waren im Endeffekt die Leidtragenden. Werbemaßnahmen größere Unternehmen trugen ihren Teil zur Katastrophe bei. Anstatt die Bürger finanziell zu bilden, werden ihnen Illusionen aufgetischt, um Produkte zu verkaufen.

Warum die Rechnung nicht aufgehen konnte

Die jährlichen Renditen des Dax Ende der 90er Jahre konnten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht langfristig aufrecht erhalten worden. Alleine der Fakt, dass viele Menschen diesen unglaublich simplen Mechanismen des Marktes auf den Leim gegangen sind, zeugt von unserem Rückstand an finanzieller Bildung im eigenen Lande. Finanzielle Bildung sollte längst Bestandteil der Schulbildung jedes einzelnen Bürgers sein, gerade in Zeiten der Altersarmut und der Niedrigrente. Die Renditen aller Assetklassen pendeln sich langfristig immer auf einen Mittelwert ein. Man nennt dieses Phänomen „Regression zum Mittelwert“. Auf Jahre extrem hoher Gewinne folgen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Zeiträume mit niedrigeren Renditen. Würde man den Zeitraum 1995 bis 1999 als Ausgangspunkt einer Durchschnittsrendite verstehen wollen, wäre das so, als würde man der Weltwirtschaft unterstellen, dass sie sich in ihrem Wert alle fünf Jahre verdoppeln kann. Das ist schlicht unmöglich.

2) An Kursprognosen von Experten glauben

Es ist ein beliebtes Mittel vieler Privatinvestoren. Die Jagd nach dem nächsten todsicheren Börsentipp von bekannten Experten oder Finanzgurus. Zeitschriften und Onlinemagazine sind voll von Aktienanalysen und Kursprognosen. Man sieht sie überall, denn sie können wunderbar verkauft werden. Alles was dabei sicher ist, ist das Grundgehalt der sogenannten Finanzexperten.

Die Macht der Einpreisung

Wissen, welches bereits in der Finanzwelt veröffentlicht und angekommen ist, wurde in aller Regel längst in einen Aktienkurs eingepreist. Der aktuelle Preis einer Aktie spiegelt den aktuellen Wert wieder. Darin enthalten sind bereits alle Erwartungen, Meinungen oder Analysen. Die einzige Möglichkeit, dass dieses Wissen noch nicht im aktuellen Kurs eingepreist ist, wäre Unwissenheit in der Finanzwelt. Das heißt, derjenige mit dem Wissen, müsste sein Wissen für sich behalten. Nur so kann eine Information nicht bereits eingepreist sein.

Investing is no Rocket Science

Viele Menschen glauben, dass Finanzexperten gegenüber Laien einen Wissensvorsprung haben müssten. Schließlich sei dies in nahezu allen Bereichen so. An der Börse ist das nur eine weitere Illusion. Darüber hinaus betreiben Finanzexperten gerne Ergebsniskosmetik. Falsche Prognosen aus der Vergangenheit werden gerne unter den Teppich gekehrt, während man mit zutreffenden Prognosen hausieren geht.

3) Renditeangaben von Finanzinstituten sind richtig

Zahlen und Fakten lügen nicht oder etwa doch? Renditen sind der Schlüssel zum Erfolg. Sie führen den Privatinvestor zur finanziellen Freiheit und den Finanzexperten zu höheren Einkünften. Daher können Renditeangaben eigentlich nicht lügen. Leider ist diese Annahme nicht richtig, denn es gibt mehrere mathematische Grundlagen, die zu unterschiedlich hohen Renditeangaben führen können.

Arithmetische vs geometrische Durchschnittsrendite

Gehen wir von einem Investor aus, der über drei Jahre hinweg 1 000 Euro in einer Einmalzahlung investieren möchte.

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Schauen wir uns die Rendite des arithmetischen Durchschnitts an: 25% + (-20%) + 30% = 35%/3 = 11,66% p.a. – Es wurde eine durchschnittliche Jahresrendite von 11,66% erzielt. Die geometrische Durchschnittsrendite relativiert diese Angaben. Die Formel hierfür lautet x(1+r) hoch n. „r“ steht für die Rendite als Dezimalzahl und „n“ für die Anzahl der Jahre. Also: 1 000 x (1+r) hoch 1 300. Löst man diese Formel nach r auf: r = (1 300 + 1 000) hoch 1/3 -1 erhalten wir eine durchschnittliche Jahresrendite von 9,1%. Kommen innerhalb der drei Jahre Ein- oder Auszahlungen hinzu, wird sich der Wert wieder verändern. Hierfür verwendet man den „internen Zinsfuß„, den ich Ihnen an dieser Stelle ersparen werde.

Was lernen wir daraus?

Wir wissen meist nicht welche mathematische Formel bei den Renditeangaben in Börsenzeitschriften oder bei Onlinemagazinen zugrunde liegt. Sie können sich jedoch vorstellen, dass eine unternehmerisch denkende Redaktion den vorteilhafteren Wert wählen wird. Davon abgesehen sind die Angaben meist vor Gebühren, Steuern und nicht inflationsbereinigt. So bleiben von den  fiktiven 11,9% einer Börsenzeitschrift gerne mal nur reale 5% tatsächliche Rendite für den Anleger übrig. Eine große Börsenillusion! Die geometrische Durchschnittsrendite ist der arithmetischen im Übrigen immer vorzuziehen.

4) Fondsratings wären aussagekräftig

Viele Menschen wollen sich vor dem Erwerb eines aktiv gemanagten Fonds über ihre Optionen informieren. Eines der Hauptargumente beim Kauf sind Fondsratings. Auf den ersten Blick bekommen Privatanleger dadurch einen Überblick über langfristig erfolgreiche Fonds oder deren Manager. Die Rechnung ist simpel. Man kauft einfach den über einen längeren Zeitraum besten Fond vom besten Manager.

Die Tricks beim Fondsrating

Fondsratings werden fast immer von ihrer besten Seite präsentiert. Angenommen ein Fonds hätte über die letzten 10 Jahre im geometrischen Mittel 15% Performance erwirtschaftet. Wir wissen jedoch nicht, ob zum Beispiel die ersten beiden Jahre extrem erfolgreich verliefen, während die nachfolgenden acht Jahre jeweils eine Benchmark (Vergleichsindex) nicht schlagen konnte. In einem anderen Beispiel können wir annehmen, dass ein Fonds über 5 Jahre eine Performance von 14% erreicht hat. Der gleiche Fonds jedoch über die letzten 7 Jahre nur 9% Performance erreichte. Wohl gemerkt vor Gebühren, Steuern und Inflation. Darüber hinaus wissen wir ja bereits, dass Renditen aus der Vergangenheit keine Aussagekraft auf die Renditen in der Zukunft haben.

5) Finanzberater seien Finanzexperten

Wenn Sie krank sind gehen Sie zum Arzt. Hatten Sie einen Unfall, dann bringen Sie ihr Auto in die Werkstatt. Wollen Sie Geld verdienen, dann vermeiden Sie Finanzberater!

Der Interessenkonflikt

Der Arzt möchte sie heilen und der Mechatroniker will ihr Auto reparieren. Zwar werden beiden Fachgruppen Ihnen wahrscheinlich zu viel berechnen, doch im Grunde genommen teilen sie ihr Interesse. Ein Finanzberater möchte Ihnen nicht zur finanziellen Freiheit verhelfen, sondern Produkte verkaufen. Sie stehen somit in einem Interessenkonflikt. Eigentlich müsste seine Berufsbezeichnung Finanzprodukteverkäufer lauten. In aller Regel ist der Finanzberater darauf angewiesen Ihnen möglichst gewinnbringend Produkte zu verkaufen. Hierfür verwendet er übrigens alle bereits besprochenen Börsenillusionen.

Wer hilft Ihnen dann?

Helfen Sie sich selbst! Börse funktioniert im Grunde genommen ganz einfach. Das Finanzsystem, die Medien und so genannte Finanzberater wollen uns gerne etwas anderes glauben lassen, denn Gebühren, Steuern und häufiges Kaufen und Verkaufen sind sichere Einnahmen für alle genannten Bereiche. Eventuell finden Sie auch einen Honorarberater. Das ist ein Finanzexperte, der ein Honorar erhält und zwar unabhängig von den angebotenen Produkten. In diesem Falle hätten Sie das gleiche Interesse und er würde höchstens etwas zu viel berechnen, sowie der Arzt und der Mechatroniker.

 

Ich hoffe ich konnte mit den 5 größten Börsenillusionen Ihren Blick auf das Finanzgeschehen schärfen. Kennen Sie weitere Illusionen oder sind sie anderer Meinung? Dann hinterlassen Sie einen Kommentar!

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